Michael Douglas: Der Gigant wankt
14. Oktober 2010 von hb
Auch im neuen Wall Street-Film brilliert Michael Douglas als skrupelloser Börsenmakler Gordon Gekko – seine Art, sich seiner tückischen Tumor-Erkrankung entgegen zu stellen. [Erschienen im WIENER 351/10]
Manche Stories fallen einem Journalisten besonders schwer. Diese ist eine davon. Es geht um das Sterben. Um die schwindende Hoffnung. Es geht um Michael Douglas (66). Die Welt weiß längst: Er hat Krebs. Aber kaum einer ahnte, wie schlimm es wirklich um ihn steht. Wir haben erlebt, wie er Ende August bei US-Talker David Latterman saß. So optimistisch. So amerikanisch. „Ich werde damit fertig werden“, verkündete er – und rang sich sogar einen Scherz ab: Seine beiden Kinder Carys (7) und Dylan (10) fänden es ganz praktisch, wenn er wegen des Kehlkopftumors nicht so viel sprechen könne.
Das Lachen bleibt einem im Halse stecken, wenn man die Bilder betrachtet, die nun von Michael Douglas um die Welt gegangen sind. Die Haut aschfahl und eingefallen, tiefe, schwarze Furchen unter den Augen – die grausamen Spuren von Strahlen- und Chemotherapie. So sieht keiner aus, bei dem die Ärzte demnächst Entwarnung geben…
Man konnte es schon erahnen, als Douglas’ Frau Catherine Zeta-Jones (41) Ende Semptember den „Ryder Cup“ im britschen Cardiff besuchte. „Wir könnten nicht glücklicher sein über die Fortschritte, die mein Mann macht“, verkündete sie den Teilnehmern des hochkarätigen Golfturniers. Aber ihr Kinn zitterte, als sie es sagte, in ihren Augen standen Tränen. Catherine Zeta-Jones wartete nicht einmal das Ende des Turniers ab, sondern reiste überstürzt ab, um möglichst bald wieder bei Michael zu sein, „sie will keine Minute mehr mit ihm versäumen“, wurde ein Vertrauter zitiert.
Auf den Fotos sehen wir, warum. Der Kehlkopfkrebs hat Stadium 4 erreicht. Der Göttinger Krebs-Spezialist Dr.Christoph Matthias erklärte der Zeitschrift „Bunte“ dazu: „Das heißt, dass der Tumor weit fortgeschritten ist und bereits in die Lymphknoten am Hals gestreut hat.“ Seine Prognose: „Die Heilungschancen liegen bei 40 Prozent. Das Risiko, dass er es nicht übersteht, ist groß.“
Was kann man tun? Nicht viel. Beten, wenn man daran glaubt. Eine Kerze anzünden, ihm positive Energie schicken. Vielleicht den Film „Wall Street: Geld schläft nicht“ mit besonderer Andacht betrachten. Wir sehen darin einen Giganten, eine Hollywood-Legende allergrößten Kalibers. Noch zu Lebzeiten.
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