Hausmitteilung, Oktober 2010
8. September 2010 von hb
Das Bemerkenswerte am Leben von Facebook-Miteigentümer Mark Zuckerberg (26) ist, dass es so wenig bemerkenswert zu sein scheint, schreibt WIENER-Autorin Lena Doppel am Ende ihrer Story über den Gründer des derzeit größten Social Networks der Welt.
Bemerkenswertes über den Alltag Zuckerbergs gibt es tatsächlich kaum zu berichten – über das Zustandekommen der Facebook Inc. im Kalifornischen Palo Alto dafür umso mehr. Soviel, dass Hollywood daraus einen Filmstoff gewoben hat, der uns ab 8. Oktober die Freizeit vertreiben soll. Man darf sich darauf freuen – man sollte allerdings nicht erwarten, im Kino Antworten auf die wirklich relevanten Fragen zu bekommen: Welches System macht es möglich, dass eine Handvoll Harvard-Studenten Anfang 20 ziemlich problemlos an 740 Mio. Dollar Venture Capital kommen? Wer ist der Hedgefons-Manager, der schon den Online-Bezahldienst PayPal mit märchenhaften Werten austattete, ehe er ihn für 1,5 Mrd. Dollar an ebay los wurde? Wie kommt ein Buchwert von 15 Mrd. Dollar zustande für eine Studentenfirma, die zwar mittlerweile 500 Millionen User in ihren Datenbanken führt, aber bis heute kein schlüssiges Geschäftsmodell vorweisen kann, sämtliche Kennzahlen, die eine realitätsbasierte Bewertung erlauben würden, geheim hält und vor allem duch eine geistige Haltung zu Belangen von Datenschutz und Privacy auffällt, die man wohlmeinend als rotzig, treffender aber als gefährlich bezeichnen kann.
Gehen wir also ruhig ins Kino – verwenden wir aber, wie Lena Doppel, auch ein paar Gedanken auf den Charakter des mächtigen Jünglings, der an der Börse für seine Anteile derzeit drei bis vier Milliarden Dollar abholen könnte; der sich innerhalb eines halben Jahrzehnts 500 Millionen “Freunde” gemacht hat, Privatsphäre für ein Auslaufmodell hält – und dessen ethisches Konzept in einem Satz zusammengefasst werden kann: Erlaubt ist, was möglich ist.
Oscar Wilde hat die Welt einmal in zwei Klassen geteilt: Diejenigen, welche das Unglaubliche glauben, und diejenigen, welche das Unwahrscheinliche tun. Vielleicht hat Zuckerberg das verinnerlicht, und, nachdem er sich selbst den Tuenden zugeordnet hatte, seine Zukunft auf die Naivität der Gläubigen gebaut. Es gibt aber auch Macher von anderem Schlag, ehrliche Giganten bis zur Selbstverbrennung. Einen davon haben wir für diese Ausgabe getroffen: Ben Becker, den unverwüstlichen Punk unter den großen Schauspielern, eben in Salzburg als “Jedermann-Tod” gefeiert, bei Claudia Stöckl wohltuend ausfällig geworden – und beim Treffen mit WIENER-Mann Andreas Schiller offen wie sein Buch des Lebens. Neben allen anderen wichtigen Dingen, die Ben Becker zu sagen hatte, verriet er dem WIENER auch eine kleine Sensation: Er wird heiraten! Der Antrag an Anne Seidel, die Mutter seiner Tochter, ist gemacht, die positive Antwort bereits eingeholt – und dass er diesen bürgerliche Exzess kommenden Mai in Österreich zelebrieren wird bis der Arzt kommt, beschlossene Sache.
Abschließend noch etwas zum Stichwort Glauben. Es gibt Menschen, die sich nur von Licht ernähren. Ehrlich. Darüber gibt es jetzt einen Film von Peter-Arthur Straubinger. Und eine Story von WIENER-Autorin Anita Kattinger.
Damit, mit dieser unglaublichen Kraft des Lichts, wollen wir es Herbst werden lassen. Ohne Depression und falsche Trauer.
Alles Gute!
Helfried Bauer,
Chefredakteur
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